Brief an mein Zukunfts-Ich | Angst & Unsicherheit

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Hallo Freunde & hallo September! Die Zeit fliegt, nicht wahr? Der perfekte Einstieg zu meinem heutigen Blogpost. Nachdem ich letzten Monat einen Brief an mein 15-jähriges Ich veröffentlicht habe, kommt heute der Brief an mein Zukunfts-Ich. Ich habe aber keine Ahnung, wann diese Zukunft ist. 

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Liebe Zukunfts-Tatjana,

Es fällt mir echt schwer dir einen Brief zu schreiben, ehrlich. Ich würde dir jetzt am liebsten einfach ein paar Fragen stellen. Doch das wären alles Fragen, die du mir erst bei unserem Zusammentreffen beantworten könntest. Du wirst mir das sagen, was ich dann eh schon weiss – was eine Frage/Antwort-Runde zum jetzigen Augenblick also ziemlich überflüssig macht. Was will ich dann? Vielleicht hoffte ich darauf, dass du mir die Angst nimmst. Die Angst vor dem Ungewissen, vor Fehlern, vor Verlusten, vor mir selbst – vor dir?

Wozu dieser Brief?

Aber weisst du, eigentlich bin ich die, die bestimmt wer du bist. Ich entscheide, wie du als Mensch sein wirst. Ich entscheide, ob meine Träume auch noch deine Träume sind. Du entstehst aus mir & trotzdem, trotzdem fürchte ich mich manchmal davor. Weil einfach alles an mir liegt, verstehst du? Jede Entscheidung, jede Tat, jeder Gedanke, jeder Entschluss, jedes Wort. Da ist dann dieser Druck der auf mir lastet, weil du aus meinem Hier & Jetzt entstehst. Ich will dich nicht enttäuschen, ich will nicht versagen & ich will auf keinen Fall bereuen. Deshalb haben meine Ängste eigentlich auch gar nicht mit meiner Zukunft / mit dir zu tun, sondern mit meiner Gegenwart – wobei die Zukunft auch irgendwann mal die Gegenwart sein wird, ach kompliziertes Zeug. Also müsste ich diesen Brief eigentlich an mein jetziges Ich schreiben & nicht an dich, da du ja gar nichts dafür kannst. Du hast ein ziemlich gechilltes Leben.

Man weiss ja nie mit Sicherheit, ob unsere Taten & Nicht-Taten jetzt auch wirklich einen grossen & wichtigen Einfluss haben werden & wie schrecklich oder eben nicht schrecklich die Auswirkung am Ende sein wird. Manchmal geht auch auch etwas schief, ohne eine tiefgründige Bedeutung zu haben. Dann ist es egal, was wir tun – es geschieht trotzdem & manche Dinge, die geschehen, entsprechen keiner Logik. Dinge, die wir nicht ändern können. Das nennt man dann das „Leben“. Es ist verantwortlich für alles, was wir nicht beeinflussen können – aber es kann uns beeinflussen. Unfair, ich weiss & genau das, das ist das, was mir manchmal Angst macht. Nicht die Zukunft, die ich mir vorstelle – sondern das Leben, das nach keinen Regeln spielt.

„Also müsste ich diesen Brief eigentlich an mein jetziges Ich schreiben & nicht an dich, da du ja gar nichts dafür kannst.“

„neuere“ Welt

Zukunftsängste gibt es gar nicht, stimmt’s? Keine Sorge, das bleibt die einzige Frage. Es passiert alles jetzt – genau jetzt, bei jedem von uns. Das Hier & Jetzt ist unsere „neuste“ Welt & in diesem Moment auch die einzig Richtige. Aber es kommt der Augenblick, an dem sie sich auflöst & zerfällt. Denn irgendwann gibt es nichts mehr, was unentdeckt geblieben ist. Wir können nichts mehr lernen, haben Sehnsucht nach Mehr & wollen unsere neuen Eigenschaften einsetzen. Also ziehen wir um, in unsere „neuere“ Welt & es beginnt alles wieder von vorne. Manche Menschen bleiben auch in ihrer „alten“ Welt zurück. Vielleicht haben sie bloss 2 „neuere“ Welten überlebt, bevor sie die Kraft verlassen hat. Sie brechen mit ihr auseinander. Sie gehen mit ihr unter – ohne zu wissen, wer sie wirklich waren. Mit anderen Worten sind das die Menschen, die stehen geblieben sind. 

„Manche Menschen bleiben auch in ihrer „alten“ Welt zurück…“ 

So in etwa stelle ich mir die Zukunft bildlich vor & weisst du was? Ich mag meine „alten“ Welten & ich liebe die Erinnerungen an sie. Doch ich möchte nicht plötzlich am Abgrund stehen & auf die Ozeane unter mir blicken müssen, die mich in wenigen Minuten in ihre Tiefe ziehen. Ich möchte wissen, wer ich sein kann! Was ich sein kann! Wer ich bin!

Erinnerung an mich selbst

Die Angst, dass das „Leben“ etwas aus mir machen könnte, was ich nicht sein will, kann manchmal echt hartnäckig sein. Doch für mich wird es immer eine „neuere“ Welt geben & deswegen muss ich es ertragen. Ich muss meine „aktuelle“ Welt kennen, bevor ich weiterziehen kann & ich will weiterziehen.  Deswegen werde ich auch jeden Zerfall von meinem „alten Ich“ überleben. Ich muss mich bloss immer & immer wieder an mich erinnern, damit ich dich nicht vergesse. Du darfst erst verblassen, wenn ich nach deiner Hand greifen konnte – denn die Zukunft gehört mir.


Du bist ein Fremder, der hoffentlich zu einem Freund wird.

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